Stimmen des Holocaust – Ein Überlebender berichtet am EBK Neuss

Die Geschichte hinter den Zahlen: Ein bewegender Fachvortrag über Erinnerung, Menschlichkeit und Verantwortung

Sein erster Vorname war Denny. Er stammte von einer Liste mit Vornamen, die die Nationalsozialisten für jüdische Kinder vorgesehen hatten. Doch für seine Mutter war er immer Thomas.

Mit dieser persönlichen Erinnerung gab Herr Dr. Thomas Gabelin den Studierenden und Schülerinnen und Schülern des EBK Neuss einen eindrucksvollen Einblick in seine Lebensgeschichte. Als Holocaustüberlebender, der 1944 in Theresienstadt geboren wurde, gehört er zu den sogenannten Child Survivors – den Kindern, die den Holocaust überlebt haben.

Im Rahmen des Fachvortrags „Stimmen des Holocaust“ berichtete Herr Dr. Gabelin von den Erfahrungen seiner Familie und den Spuren, die die nationalsozialistische Verfolgung in seinem Leben hinterlassen hat. Gebannt und aufmerksam folgten die über 200 Studierenden und Schülerinnen und Schüler seinen Ausführungen. Seine persönlichen Erinnerungen machten deutlich, dass hinter den historischen Ereignissen und den unvorstellbaren Opferzahlen individuelle Schicksale stehen – Geschichten von Verfolgung, Verlust und Überleben.

Herr Pawellek ergänzte den Vortrag durch die historische Einordnung und vermittelte den Anwesenden wichtige Hintergründe zur Lebenssituation jüdischer Menschen während der nationalsozialistischen Herrschaft. So wurde die persönliche Lebensgeschichte von Herrn Dr. Gabelin in den historischen Kontext eingebettet und die Bedeutung der Erinnerungskultur eindrucksvoll verdeutlicht.

Nach rund 90 Minuten schloss Herr Dr. Gabelin seinen Bericht mit einem eindringlichen Appell: Die Anwesenden sollten seine Geschichte weitererzählen, damit auch kommende Generationen erfahren, was damals geschehen ist. Nur wenn die Erinnerung lebendig bleibt, können wir aus der Geschichte lernen und gemeinsam dafür einstehen, dass sich solche Verbrechen niemals wiederholen.

Im Anschluss nutzten zahlreiche Studierende und Schülerinnen und Schüler die Gelegenheit, persönlich mit Herrn Dr. Gabelin ins Gespräch zu kommen, ihre Gedanken auszudrücken und ihm für seine Offenheit zu danken. Die Begegnungen zeigten, wie sehr seine Worte die Zuhörenden bewegt hatten.

Auch Herr Dr. Gabelin ließ später wissen, dass er sich am EBK Neuss sehr wohlgefühlt habe und von der Wertschätzung, der persönlichen Zuwendung und dem großen Interesse der jungen Menschen tief berührt gewesen sei.

Der Fachvortrag hat eindrucksvoll gezeigt, wie wichtig es ist, den Stimmen der Überlebenden zuzuhören und ihre Geschichten weiterzutragen. Denn Erinnerung ist nicht nur ein Blick in die Vergangenheit – sie ist zugleich ein Auftrag an die Gegenwart und die Zukunft.

Nach oben scrollen